Wir wurden durch die Künstlerin Johanna Tatzgern sehr behutsam, achtsam und in liebevoller Art und Weise in Ihre Arbeit eingeführt. Der Körper diente dabei als unsere Hauptarbeitsfläche, mit der wir die verschiedensten Übungen durchgeführt haben. Im Sommer habe ich bereits bei einigen anderen TanzWorkshops mitgemacht, jedoch waren mir Ihre Methoden und Übungen neu. Es war die Kombination aus Bewegung, Tanzen, Zeichnen und der Verwendung des Körpers als Instrument auch für die Zeichnungen, die wir in einigen Aufgaben angefertigt hatten, die einen neuen Zugang boten.

Als Aufwärmübung haben wir sitzend Bewegungen für uns und die Gruppe gemacht, anschließend haben wir einen Dialog mit unseren (Tanz)Bewegungen geschaffen.

Dann kam es zu meiner Lieblingsübung – “Zwei Personen – ein Weg – zwei

Wahrnehmungen – zwei Zeichnungen”.

Eine Person sitzt und beobachtet die Person, welche sich auf unterschiedlichste Weise im Raum fortbewegt. Das Besondere dabei: Beide Personen zeichnen auf, wie diese Person sich in ihren Augen im Raum fortbewegt.

Zur selben Zeit überlegen wie man geht, gleichzeitig gehen und dabei seinen Weg auf ein Blatt Papier in der Hand aufzeichnen, das war nicht nur für mich herausfordernd.

Wie gingen wir dabei vor?

Wie soll man einen laufenden Schritt zeichnen?

Wo im Raum befindet man sich gerade tatsächlich, wenn man das Blatt Papier mitbewegt?

Wie zeichnet man einen Gang rückwärts?

Wie markiert man eine lange Pause an einem Punkt?

Das Beobachten fiel mir deutlich leichter, wobei auch einige ähnliche Fragen dabei aufkamen. Die Übung war für mich eine tolle Erfahrung und auch die Kunstwerke, die dabei entstanden sind, waren schön. Vor allem die Parallelen, die zwischen “Beobachterin” und “Geherin” entstanden sind, waren sehr eindrucksvoll.

Danach gingen wir in den Kreideraum – das Künstlerhaus besaß zu dem Zeitpunkt der “Plakate Ausstellung” einen kreativen Raum, wo man mit Kreide an den Wänden malen konnte. Und so kam es auch für uns, dass wir für unser Kunstwerk eine ganze Wand Platz hatten. Dieses bestand aus den Umrissen unserer Körper in den verschiedensten Positionen und wurde mit Wörtern und Zeichnungen verschönert.

Wie gingen wir dabei vor?

Eine Person hat sich eine interessante, teils auch lustige Pose ausgedacht und schon wurde von jemand anderen die Umrisse gezeichnet und als “Antwort” auf diese Umrisse hat sich die nächste Person hingestellt und wieder wurden die Umrisse nachgezeichnet usw. – ganz bis die Wand voll war. Anschließend haben wir Wörter, die uns dazu eingefallen sind, verewigt und zum Abschluss dazu noch einige Zeichnungen hinzugefügt.

Leider konnte ich nicht bis zum Schluss bleiben – mir wurde aber erzählt, dass es dann noch eine Zeichenaufgabe gab, wo der ganze Tisch mit Papier vollgeklebt wurde und auf diesen von den verschiedensten Positionen aus, gezeichnet wurde.

Für mich war generell diese Einigkeit, die den Körper durch seine Bewegungen als Mittel zum Zeichnen verbindet, ein Erlebnis. Oft ist gerade das Zeichnen eher eine stille, ruhige Beschäftigung. Jedoch haben wir gerade in diesem Workshop gelernt, dass wir auch unseren Körper als Ausdrucksmittel nicht nur zum Tanzen verwenden können und diese Symbiose aus etwas Statischem und der Bewegung durchaus auch verwenden können, um uns auszudrücken. Auch diese Übungim Kreideraum mit den Umrissen unserer Körper hat in mir eine Erinnerung an meine Kindheit geweckt, da ich als Kind irrsinnig gerne den Umriss meiner Hände gezeichnet habe und mit den verschiedensten Symbolen, Gegenständen und Linien verziert habe.

Gerne wäre ich länger geblieben. Aber ich konnte mir auch in der Zeit, wo ich dabei war, viel mitnehmen und möchte mich auch recht herzlich für dieses tolle Künstlerhaus Projekt und für die Möglichkeit, an so vielen verschiedenen Workshops teilzunehmen, bedanken.

verfasst von Marita.