von Katharina Dungl
Die zweite Phase des VolkstheaterStarters führte uns nach drei Einheiten mit unterschiedlichen Gruppen im Volkstheater in die VHS Ottakring, dem Ort, wo sich die teilnehmenden Jugendlichen täglich aufhalten um Deutschkurse zu besuchen. Das Volkstheater in den Bezirken spielt regelmäßig im Theatersaal der VHS Ottakring, dennoch kannten die meisten Jugendlichen diesen Raum nicht. Dem wollten wir nun entgegenwirken und auch selber auf der Bühne stehen – vielleicht sehen sich manche TeilnehmerInnen in Zukunft dort dann doch auch ein Stück an. Kleine Bühne, großer Zuschauerbereich – das sind die Gegebenheiten im Theatersaal Ottakring. Ideal um die Stimme zu trainieren und mit der eigenen Sprache auch die letzte Zuschauerreihe zu erreichen.
„Bauchatmung, Stütze, bra bre bru und ptk“ Auch die präsente, neutrale Körperhaltung, die die Basis für das weitere Training darstellt, wurde wieder vertieft. Wir stellten immer auch den Bezug zum Alltag der Jugendlichen her. Für jedes Referat, Bewerbungsgespräch aber auch im täglichen Leben kann es hilfreich sein, laut und deutlich zu sprechen und eine aufrechte und trotzdem entspannte Körperhaltung zu haben. Anschließend hatten die Jugendlichen die Aufgabe, auf der Bühne zu stehen und einer PartnerIn, die im Zuschauerraum sitzt, ihren täglichen Weg zur VHS Ottakring zu beschreiben. Alle gleichzeitig. Das machte viel Spaß und führte automatisch dazu, dass jedeR sich bemühte, so laut und zielgerichtet wie möglich zu sprechen. Nach einer kurzen Pause gingen wir zur Textarbeit über. Ein selbstgeschriebener Text zum Thema „Als ich neulich wütend war“ wurde auf unterschiedliche Arten gesprochen: Flüsternd, rufend, lachend, durch den Raum hetzend, wie ein König und auf der Flucht vor einem Einbrecher. Wir probierten dazu auch eine kleine Performance im Zuschauerraum – die Jugendlichen sollten durch den Raum laufen, gehen oder schleichen und immer wieder hinter einem Sessel stehen bleiben und ihren Text sprechen. Das klappte nicht so ganz, die Jugendlichen wurden bald müde vom Hin und Her laufen und hinterfragten den Sinn dieser Performance. Wir erklärten, dass bei Theaterproben immer viel ausprobiert wird und dass Scheitern dabei ein wichtiges Mittel zum Erfolg ist. Zum Abschluss hatten wir eine Choreographie mit Smartphones geplant. In zwei Gruppen entwickelten die Jugendlichen kurze Performances und sollten Elemente wie die Taschenlampe, Musik und Geräusche, Sprachmemos, Bilder und Videos auf ihren Smartphones verwenden. So wurde ein Autounfall durch Soundeffekts inszeniert und ein Fußballspiel im Dunkeln mit der Taschenlampe als Ball. Hier ging es darum, den symbolischen Charakter von Theater näher kennenzulernen, was bereits den gemeinsamen Theaterbesuch im April vorbereitet.