Verein Login. Verein für Gesundheitsförderung und soziale Integration gemeinsam mit Weltmuseum Wien und Volkskundemuseum.

1000 und eine Heimat– 1, 2, Vieles ist möglich.

Wir besuchen nicht nur ein Museum, nein, gleich zwei, lassen uns hinter die Kulissen schauen und laden uns zum Austausch ein. Es sind das Weltmuseum Wien und das Volkskundemuseum. Zwei Museen, deren Sammlungen auf den ersten Blick gegensätzlich scheinen. Im Weltmuseum Wien sind Alltags und Kunstobjekte aus Afrika, Amerika, Asien und Ozeanien zu bewundern und im Volkskundemuseum Alltags und Kunstobjekte aus Europa. Diese „gegensätzliche Gemeinsamkeit“ ist so spannend, das wir uns nun anhand der Ausstellungsobjekte von Jänner bis Juni auf die Suche nach unserem persönlichen Begriff von Heimat machen werden.

Der erste Termin war Samstag, der  23.1. im Weltmuseum Wien. Elf Teilnehmer*innen hatten sich eingefunden, nach Eintrittspickerlverteilung und kurzer Klärung der bevorzugten Weltgegend, die Wahl fiel auf Asien, begleiteten uns Mandana Roozpeikar und Pia Razenberger durch die Räume. Zuerst ein kurzer EInblick in die Geschichte des Hauses und dann ab nach Japan, China, Neuseeland und auch kurz nach Nordamerika. Abschließend wurden im Atelier lebhaft Fragen diskutiert wie: Was brauche ich, um mich zuhause zu fühlen? Fühle ich mich fremd hier? Fühlst du dich fremd jetzt?

Am Samstag dem 17.2. trafen wir uns zur zweiten 1000 und eine Heimat Veranstaltung, diesmal im Volkskundemuseum. Wir wurden von Katharina Richter freundlich empfangen und durch die Dauerausstellung geführt. Alle waren mit eifrig dabei, und immer wieder war zu hören: „Das kenn ich noch aus meiner Kindheit,“ oder: „Das gibt es auch bei uns.“ Das war besonders spannend, da es auch Teilnehmende gab, die nicht in in Österreich aufgewachsen sind. Im abschließenden Zusammensitzen in der gemütlichen Küche des Volkskundemuseums wurde über jene Objekte gesprochen, die besonders beeindruckt hatten.

Am 10. März, wieder ein Samstag, fand 1000 und eine Heimat zum dritten Mal statt. Wir trafen uns diesmal wieder im Weltmuseum und wurden von Pia Razenberger schon an der Kassa erwartet. Alle Teilnehmer*innen befestigten ihre gut sichtbar ihre Weltmuseum Aufkleber und ab ging es ins Atelier. Da beim letzten Mal nicht alle dabei waren, gab es einen kurzen Austausch zu den vorangegangenen Workshops und es kristallierte sich der Wunsch heraus, doch auch noch in Amerika vorbeizuschauen. Highlight war die berühmte blaugrün schillernde sog. ‚Federkrone des Moctezuma‘. Pia erzählte uns viel über den Kopfschmuck, seine Herstellung, von welchem Vogel die Federn stammen und dass er wahrscheinlich gar nicht dem Aztekenherrscher gehörte. Weiter ging es zur Mitmachstation, wo wir den Gebrauch eines Manjokschälers und einer Fischzungenreibe erlernten. Wieder zurück im Atelier wurde an Federketten und Bildnissen der Federkrone gewerkelt. Ganz nebenbei wurde der Unterschied zwischen der Habsburgermonarchie und der Dynastie der Azteken diskutiert und auch ob Geschichte wichtig für ein Land ist, oder ob man sich lieber mit der Gegenwart beschäftigen sollte.

Am Samstag den 21.4. 18 besuchten wir vom Verein Login im Rahmen von 1000 und eine Heimat/Kulturtranssfair zum zweiten Mal das Volkskundemuseum. Katharina Richter empfing uns bei der Kassa und bei dem schönen Wetter  ging es zuerst in den kleinen Kräutergarten. Diese zweite Veranstaltung im Volkskundemuseum sollte uns noch weiter hinter die Kulissen führen, als beim ersten Mal. Nach einer kleine Vorstellungsrunde im Atelier besuchten wir kurz die Dauerausstellung, und erkundeten dann mit Katharina das Fotoarchiv. Wir bekamen Baumwollhandschuhe und durchstöberten eine Kiste mit alten Fotografien aus Vorarlberg, es gab viele Trachten und jede Menge Berge zu sehen. Dann ging es über die Wendeltreppe in den ersten Stock ins Direktorenzimmer in dem eine Vitrine mit Gegenständen von Geflüchteten ausgestellt sind, die an der griechischen Küste gefunden worden waren und die nun in den Bestand des Volkskundemuseums eingepflegt wurden. Die „Ausstellungsstücke“ machten betroffen und hinterließen eine winzige Vorstellung über jene Menschen die ihren Besitz zurücklassen mussten und über die gefährlichen Umstände ihrer Flucht in einem überfüllten Schlauchboot.

Nachdem wir noch den Prunksaal, die Bibliothek und den Dachboden besichtigt, des alten Palais besichtigt hatten kehrten wir zurück ins Atelier. In einer kleinen Diskussionsrunde mit der Frage, was man denn so vermisst, wenn man sich außerhalb seiner Heimat aufhält, stellten wir fest, dass es die kleinen Dinge sind, wie gewohntes Essen, vertraute Wege im Alltag, Freunde, Familie, die eigene Wohnung. Teilnehmer*innen die genau das hinter sich gelassen hatten oder lassen mussten um in Österreich zu leben, beschrieben ihren Umgang mit dem Gefühl des Verlusts von Vertrautem und dem Eingewöhnen in eine neue Umgebung.

Am Donnerstag dem 10.5 besuchten wir ein drittes und letztes Mal das Weltmuseum Wien. Wieder wurden wir von Pia Razenberger durch die Ausstellung begleitet. Am Anfang stand wieder eine kleine Runde im Kaleidoskop, dem Atelier des Weltkundemuseums. Die Teilnehmer*innen die das erste Mal dabei waren erfuhren von jenen, die schon öfter bei 1000 und eine Heimat mitgekommen waren, was bisher geschehen war und eine neue Destination, die Räume zu China und Japan wurden für den heutigen Rundgang gemeinschaftlich festgelegt. Pia erzählte zuerst Wissenswertes zur Sammlungsgeschichte des Museums und dann machten wir uns über Mesoamerika und Indonesien auf nach Asien. Im Raum „Ein Dorf in den Bergen“ erhielten wir Einblick in das zeitgenössiche Alltagsleben von Menschen die im Himalayagebiet. Pia beschrieb zuerst wie der Raum konzipiert worden war und erzählte uns dann über Buttertee, den Buddhismus und das das Herdfeuer in einer Hütte im Himalaya nie ausgehen darf. Höhepunkte der Reise waren dann der Wandschirm aus Lack, der aus dem Sommerpalast des chinesischen Kaisers stammt und die kunstvoll gestickten Abzeichen chinesischer Beamter. Und weil es ja gleich um die Ecke liegt, schauten wir auch noch in Japan vorbei, und bestaunten das detailreiche Modell des japanischen Kaiserpalastes, welches für die Wiener Weltausstellung im Jahr 1873 gebaut worden war.

In der Abschlussrunde im Kaleidoskop reflektierte Gruppe über die vergangenen Führungen in den beiden Museen und die persönliche Auffassung von Heimat. Wie es ist zum Beispiel ist, zweisprachig aufzuwachsen und zwei Heimaten, oder umgekehrt deswegen auch gar keine Heimat zu haben. Schwierig war es, den Begriff von Heimat überhaupt zu fassen. Für die Einen ist es dort, wo Bett und Küche stehen, für die Anderen ist ein ganzes Land. Je länger wir über den Begriff Heimat und all die individuellen Geschichten darüber diskutierten umso unschärfer wurde seine Definition.

Zum Abschluss noch das schöne Zitat einer Teilnehmerin: Kultur kann nur weitergegeben werden, wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft sich füreinander öffnen und austauschen, das bereichert Alle.

Die Führungen in den Museen sind nun leider vorbei, aber es wird noch ein kleines Abschlussfest von 1000 und eine Heimat am 8.Juni ab 17:00 in den Räumlichkeiten des Verein Login in der Weiglgasse 19, 1150 Wien geben. Ihr seid Alle herzlich eingeladen.

 

Katrin Rummel, Verein Login